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7.2 Ablassen und Abseilen
7.2 Ablassen (passiv)
Die einfachste Form vom Ende einer Kletterroute wird hinunter zum sicheren Boden zu kommen ist es, vom Sichernden abgelassen zu werden. Es ist hierfür zunächst sicherzustellen, dass das verwendete Seil auch ausreichend lang und das am Boden befindliche Seillende am Seilsack fixiert oder mit einem Knoten am Ende gesichert ist. Jedes Seil sollte daher eine Mittenmarkierung besitzen. Die Seilmitte darf den Sichernden, wenn sich der Kletterer am Ende der Route befindet, noch nicht passiert haben.
Beim Ablassen sollte darauf geachtet werden, dass der Abseilvorgang gleichmäßig und nicht allzu schnell erfolgt. Vorsicht bei Absätzen, Dachkanten und brüchigen Wandpartien auf dem Weg nach unten. Der Abgelassene sollte stets in Falllinie des Seiles, also gerade nach unten Abseilen. Die Beine sind dabei etwas mehr als schulterbreit auseinander. Beim Ablassen „läuft“ man so „rückwärts“ mit möglichst kleinen Schritten nach unten. Keinesfalls sollte man sich dabei hüpfend allzu weit von der Wand abstoßen, diese Methode sieht man nur in Hollywood-Action-Filmen, sie macht aber absolut keinen Sinn.
Wichtig: das Seil darf beim Ablassen nur durch einen Karabiner oder Haken laufen, niemals aber durch eine Schlinge. Diese würde beim Ablassen unweigerlich durchschmelzen!
7.3 Abseilen (aktiv)
In bestimmten Fällen ist es sinnvoll sich selbständig abzuseilen. Wenn beispielsweise der Abseilhaken zu weit nach hinten, hinter eine Kante angebracht ist, würde das Seil an dieser Kante beim Ablassen sehr stark scheuern und beschädigt werden. Auch wenn lediglich eine Rundschlinge oder ein Baum am Ende der Route ist, ist es besser sich abzuseilen. Sobald sich die Kletterer einer Seilschaft beide am Ende einer Route befinden, auf einem Felsgipfel oder beim alpinen Klettern, so ist Abseilen stets die ideale Form des „Wiederhinunterkommens „.
Das Abseilen erfolgt vom Bewegungsablauf her genauso wie das Abgelassen werden: Beine etwas mehr als schulterbreit, kleine (Rückwärts-)Schritte, nicht Hüpfen, in der Falllinie des Seiles bleiben, gleichmäßig und nicht allzu schnell. Vorsicht bei Absätzen, Kanten und Übergängen in einen Dachbreich.
Während wir jemanden mit der gleichen Methode auch Ablassen können mit der wir den Kletterer gesichert haben, so bedienen wir uns beim selbständigen Abseilen eines Abseilachters oder eines ähnlich geeigneten Bremsgerätes (z.B. Tube, TRE, Reverso, ANTZ-Bremse und andere –Gebrauchsanweisung beachten). Es gibt auch spezielle Abseilgeräte, die ausschließlich zum Abseilen konzipiert wurden und die in Ihrer Bremskraft zu regulieren sind. Im Folgenden möchten wir aber nur auf das Abseilen mit dem Abseilachter näher eingehen.
Bildergalerie „Abseilen“
Beim Abseilen ins „Unbekannte“ ist unbedingt darauf zu achten, dass sich die Seilmitte direkt beim Abseilhaken befindet, also beide Seilstränge gleich (maximal) weit nach unten reichen. Zur Sicherheit sollte in beide Seilenden dann noch ein dickerer Knoten geknüpft werden, dass man nicht versehentlich auf dem Weg nach unten das Seilende verpasst. Das Seil wird vom Standplatz aus so hinuntergeworfen, dass die Seilenden möglichst frei nach unten hängen (vor dem Werfen „ACHTUNG SEIL !“ rufen. Wenn wir beim Abseilen feststellen, dass sich das Seil an einem Absatz, Haken, Spalt oder Riss verfangen hat, dürfen wir uns keinesfalls weiter anseilen, sondern müssen zunächst das Seil lösen und weiter hinunterwerfen. Würden wir uns ungeachtet dessen weiter abseilen und könnten wir das verfangene Seil von unten dann nicht mehr lösen, so könnten wir uns dann auch nicht mehr nach oben arbeiten um es zu lösen.
7.4 Sicherung beim Abseilen
Beim Abseilen können wir uns auf zwei unterschiedliche Methoden sichern: Bei der einen Methode, legen wir eine kurze Prusikschlinge (Reepschnur-Durchmesser ist halber Seildurchmesser) unterhalb des Abseilachters um beide Bremsseile und fixiert diese mit einem Karabiner an der Beinschlaufe, die sich auf der gleichen Seite wie die Bremshand bfindet. Diese Prusikschlinge wird beim Abseilen nun lose in der Bremshand mitgeführt. Im Notfall, wenn man das Bremsseil loslassen würde, würde sich die Prusikschlinge zuziehen und die Abseilfahrt stoppen. Will man den Prusik nun wieder lockern und weiter abseilen, so muss man nur das Bein an dem die Prusikschlinge angebracht ist anheben, schon wird der Prusik entlastet und kann gelockert werden, man kann dann weiter abseilen.
Da diese Methode oftmals etwas „hakelig“ ist und das Abseilen etwas stotternd erfolgt (der Prusik zieht sich häufig ungewollt zu) so ist vor allem im Klettergarten eine ganz einfache Sicherung gebräuchlich: der routinierteste Kletterer seilt sich zuerst ab und sichert dann den Nachfolgenden, indem er das Seil locker in die Hand nimmt. Wenn er nun am Seil zieht, so kann er die Abseilfahrt des Nachfolgenden ohne großen Aufwand stoppen.
7.5 Abziehen des Seiles
Beim Abziehen des Seiles ist darauf zu achten, dass sich im Seilende keine Knoten mehr befinden und auch keine Krangel mit nach oben gezogen werden. Rechtzeitig bevor das Seil hinunterfällt müssen wir die Untenstehenden warnen, indem wir „ACHTUNG SEIL !“ rufen. Befindet sich in Falllinie des Seiles ein Kletterer in einer benachbarten Route, so müssen wir mit dem Abziehen warten, bis der Kletterer den Bereich verlassen hat in dem eine Kollision mit dem herunterfallenden Seil möglich ist.
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