|
|
 |
Sicher Klettern lernen
...die interaktive Kletterschule |
|
 |
|
 |
 |
|
|
 |
 |
|
2.1 Haken
Es gibt viele Formen dauerhafter Fixpunkte im Fels. Waren bis vor wenigen Jahren viele Klettergebiete noch durch die Hand der Ersterschliesser mit geschlagenen Haken ausgestattet, so sind die meisten dieser zweifelhaften Zeitgenossen längst ein Opfer des Rostes und seit der Erfindung der Akku-Bohrmaschine durch verlässlichere Bohrhaken ersetzt worden. Trotzdem trifft man gelegentlich noch auf solche Haken, die hier und da in Felsrissen oder -löchern vor sich hin rosten. Ihnen sollte man stets mißtrauen: oftmals sehen diese Haken äußerlich noch ganz brauchbar aus, was man jedoch nicht sehen kann: innen ist der intakte Stahl auf manchmal nur ein paar Quadratmillimeter zusammengerostet. Manche solcher Haken halten kaum ein Körpergewicht, geschweige denn einen Vorstiegssturz. Tipp: Lieber zusätzlich irgendwo einen Fixpunkt in Form eines Keiles oder Friends selbst anbringen.
Meist besser dran ist man, wenn man einem Bohrhaken begegnet. Aber auch hiervon gibt es unzählige Generationen und Ausführungen. Ich habe meine ersten Bohrhaken noch von Hand gesetzt, d.h. ohne Bohrmaschine mit dem Bohrmeissel und Felshammer eine Stunde lang ein Loch in den Fels gedroschen, Spreizkonus und Dübel reingekloppt und Hakenlasche draufgeschraubt. Logisch, daß wir damals keine 12mm Löcher 8 cm tief in den Fels gebohrt haben, sondern 8mm Löcher und nur 4cm tief. Auch die Qualität der Haken war eher bescheiden und so rostet heute so mancher Mini-Bohrhaken innerlich, still und heimlich vor sich hin. Heute sind die meisten Klettergärten durch den Alpenverein, IG-Klettern oder engagierte private Kletterschulen betreut, die Ausstattung der Klettergebiete ist hierzulande, aber auch in Frankreich und in manchen Klettergebieten Italiens meist vorbildlich. Heute werden in der Regel 12mm Klebehaken gesetzt, das sind nichtrostende Edelstahl-Haken die mit einem 2-Komponenten-Kleber in die Bohlöcher geklebt wurden. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen mit und ohne Ring.
Normalhaken, die nicht ganz in den Fels eingeschlagen sind, deren Öse also ein wenig vom Felsen weg sind, stellen immer ein besonderes Risiko dar, denn klinkt man direkt in die Öse ein ergibt sich bei Belastung in der Regel ein sehr ungünstiger Hebel. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein solcher Haken bei Belastung ausbricht ist enorm. Gibt es jedoch keinen anderen Fixpunkt zur Sicherung, so kann man mit Hilfe einer Bandschlinge, die per Ankerstich am Ansatz des Hakens angebracht ist noch eine bedingt verläßliche Sicherung erreichen.
Verschiedene Bohrhakentypen:
|
 |
 |
|
WARNUNG: Niemals mit dem Finger an Bohrhakenlasche festhalten.
Wenn in einer solchen Situation der Fuß wegrutschen würde, bestaht die Gefahr, daß der Finger abgerissen wird
|
|
|
 |
 |
|
Ein Klemmkeil ist ein keilförmiges Metallstück aus gehärtetem Aluminium oder Messing. Die meisten Klemmkeile haben 2 Bohrungen, durch die eine Drahtschlinge läuft. Die Enden der Drahtschlinge sind miteinander verplombt. Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen einfachen, konischen Klemmkeilen (eher selten), halbmondförmigen (Rocks), halbmondförmigen Keilen mit einer Kerbe an den beiden breiten Auflageflächen (Wallnuts) und 6-eckigen, asymmetrischen Klemmkeilen, den legendären Hexentrics. Da es Risse mit verschiedenen Breiten gibt, gibt es jede Keilform auch in bis zu 10 verschiedenen Größen zu kaufen. Anwendung: Klemmkeile werden in v-förmig, sich nach unten hin verjüngenden Rissen platziert. Da der Keil nun nach unten nicht mehr ausweichen kann, ergibt sich somit ein idealer Fixpunkt für eine Zwischensicherung oder für den Bau eines Standplatzes. Voraussetzung für die Qualität dieses Fixpunktes ist die genaue Formgebung des Risses, die passende Größe des Keiles und, ganz wichtig, die Gesteinsqualität. In speziellen Fällen lassen sich Klemmkeile auch in Querrissen oder Felslöchern anbringen. Es ist darauf zu achten, daß der gelegte Klemmkeil möglichst bündig an den Seiten des Risses aufliegt und so eine gewisse Eigenklemmwirkung besitzt, ggf. kann man den Keil, nicht zu fest, ein wenig durch Zug nach unten in den Riß hineinziehen, bis er etwas fest sitzt. Der gelegte Klemmkeil ist stets ausreichend mit Expreß-Schlingen oder einer Bandschlinge zu “verlängern”, damit er sich nicht durch Schaukelbewegungen des Seiles wieder aus dem Riß “befreien “ kann. Mit der Anschaffung eines Klemmkeilsortimentes empfiehlt sich auch des Erwerb eines Klemmkeilentferners (Nutkey) mit dessen Hilfe festsitzende Keile aus Rissen “geborgen” werden können.
|
 |
 |
 |
 |
|
2.3 Klemmgeräte nach dem Kniehebelprinzip
....oder auch Friends genannt. Als in den Siebziger Jahren viele klassische Rißklettereien im Yosemite und anderen amerikanischen Granitklettergebieten erstbegangen wurden, stieß man auf der Suche nach neuen, ungekletterten Linien bald auf Grenzen. Risse, deren Seiten vollkommen parallel verliefen und weder Felshaken noch Hexentrics oder anderen Klemmkeilen darin Halt fanden. Dennoch war die Anziehungskraft dieser einladenden Risslinien so groß, daß sich Ray Jardine, ein Flugzeugbau-Ingenieuer aus Colorado, USA, etwas Geniales einfallen ließ: ein Klemmgerät, bestehend aus einem starren Aluminiumsteg, an dessen Ende an einer Achse 4 gleichgroße Winkelsegmente angebracht sind. Durch einen Drahtzug wurden die Segmente so angewinkelt, daß sich das Klemmgerät verschmälert. In seiner schmalen Form wird es nun in den Riß eingeführt. Durch eine Rückstellfeder bewegen sich bei Entlasten des Drahtzuges die Segmente wieder zurück in die Richtung ihrer ursprünglichen Stellung, der Friend wird wieder breiter, die Segmente sollten einen Winkel zueinander haben von idealerweise +- 90°. Würde nun das Klemmgerät eine Belastung nach unten erfahren, so wären die Segmente bewegt sich noch weiter zu öffnen, da der Riß dies aber nicht zuläßt, “krallen” sich die Kerben der Segmente so in die Rißwand. daß das Klemmgerät klemmt und sich keinen Millimeter von der Stelle rührt. Nach den ersten Einsätzen seiner “Geheimwaffe” zeigte sich schon bald die Genialität seiner Erfindung, konnte er doch nun Kletterrouten durchsteigen, die für alle anderen Anwärter bislang an unmöglich galten. Zurecht gab Jardine seinem Klemmgerät den Namen “Friend”. Ray Jardine erlangte durch diese Erfindung großen Ruhm und wurde steinreich.
Beim Platzieren eines “Friend” ist wie bei den Keilen die Formgebung des Risses zu berücksichtigen und entsprechend die richtige Grösse zu verwenden. Hierbei ist darauf zu achten, daß die 4 Klemmbacken auch tatsächlich in der optimalen Winkelstellung zueinander stehen und der “Friend” mit Express-Schlingen entprechend “verlängert” wird. Diese “Verlängerung” vermindert auch das Risiko, daß Friends mit einer starren Achse bedingst durch Schaukelbewegungen des Seiles allzuweit in den Riss “hineinwandern”. “Friends” lassen sich nicht nur in senkrechten Rissen platzieren, sondern auch in Querrissen und sogar in parallelwandigen Felslöchern. Vorsicht bei sandigem und brüchigem Gestein. Bei der Belastung eines Friends nach unten entstehen enorme Kräfte, die auchf die Seiten des Risses wirken. Wird der “Friend” hinter eine Felsschuppe platziert, so besteht die Gefahr, daß die gesamte Schuppe durch diese Expansionskräfte “weggesprengt” wird. Ähnlich wie bei den Klemmkeilen gibt es bei den “Friends” und anderen Klemmgeräten auch bis zu 12 verschiedene Grössen, deren Anschaffung sich zum Klettern in manchen Klettergebieten, z.B. Pfalz oder alpiner Granit wirklich empfiehlt.
|
|
|
Eine weitere Möglichkeit einen oftmals sehr soliden Fixpunkt anzubringen ist es eine genähte oder geknüpfte Rundschlinge an einer Wurzel, einem Baum, Ast, Felsköpfchen, Klemmblock oder an einer Sanduhr anzubringen. Die Qualität der vorgegebenen Anbringungsmöglichkeit ist entscheidend für die Qualität des Fixpunktes. Sehr kritisch muß hierbei beurteilt werden ob Sanduhren und Felsköpfchen richtig mit dem Fels “verwachsen” sind, ob Klemmblöcke ggf. wackeln. Äste, Bäume und Wurzeln müssen jeweils dick genug sein, der Baum (z.B. auch eine Latschenkiefer im alpinen Gelände) muß fest mit dem Untergrund verwachsen sein. Sind die vorgegebenen Anbringungsmöglichkeiten von guter Qualität, so ist die gelegte oder gefädelte Schlinge meist ein sehr verläßlicher Fixpunkt. Die Schlinge wird in der Regel mittels Ankerstich an Baum oder Wurzel angebracht, d.h. die Schlinge wird herumgelegt und das eine Ende wird durch das Auge des anderen Schlingenendes hindurch geschoben, hierdurch ergibt sich zusätzlich oftmals eine Klemmwirkung, ideal z.B. als Selbstsicherung am Einstieg. Bei nicht ganz optimalen Sanduhren ist es machmal besser die Schlinge durch die Sanduhr zu fädeln, beide Enden gleichweit nach unten hängen zu lassen, beide Schlingenaugen werden dann mit Karabiner verbunden. Durch diese Anornung wird eine optimalere Belastung nach unten erreicht. Bei Felsköpfen ist es meist besser die Schlinge einfach über den Kopf zu legen, wobei darauf zu achten ist, daß die Schlinge lang genug ist.
Ein dickerer Baum oder eine solide Sanduhr sind als Standplatzsicherung oftmals ausreichend. Schwächere Fixpunkte sind eher nur für Zwischensicherungen sinnvoll, beim Standplatzbau bitte zweiten Fixpunkt zusätzlich mittels Reihenschaltung oder Kräftedreieck verbinden.
|
|
|
|
|
|